Dienstag, 5. April 2016



„Der Sturm“ – von William Shakespeare
im Grazer Schauspielhaus

Man kann sich als kulturbegeisterter Grazer wahrlich nicht beklagen. Es würde ewig dauern alle Stilrichtungen aufzuzählen, aus denen man als Interessierter in der steirischen Kulturszene einfach auswählen kann. Von traditionell und klassisch bis hin zu hochmodern, von kleinen Nischen bis hin zum großem Mainstream ist wirklich alles vorhanden. Die Werke von William Shakespeare (1564-1616) gehören sicher zu den absoluten Klassikern auf den Theaterbühnen dieser Welt. Aber Vorsicht! Mit verstaubtem, langweiligem, historisch übergenauem Theater hat die
„Der Sturm“-Aufführung im Grazer Schauspielhaus bestimmt nichts zu tun. Wobei auch diese Tatsache nicht automatisch eine tolle Inszenierung bedeutet, da bei besonders modernen Regieanweisungen oft der Inhalt auf der Strecke bleibt.
Die Idee für das Bühnenbild in diesem Fall darf aber als genial bezeichnet werden, auch wenn sich hier die Geister scheiden: entweder man ist begeistert oder eben das genaue Gegenteil. Lassen Sie sich überraschen!
Die Handlung ist nun ja bereits einige hundert Jahre bekannt: Der gelehrte und von den Mächten des Okkulten faszinierte Herzog von Mailand, Prospero, wurde von seinem Bruder Antonio gestürzt und mitsamt seiner Tochter Miranda auf dem Meer ausgesetzt. Auf einer geheimnisvollen Insel gestrandet, wartet Prospero seit zwölf Jahren auf die Gelegenheit, sich an seinen Feinden zu rächen.
Dass die drei zentralen Männerrollen mit Frauen besetzt sind, war bei Shakespeare ohnehin schon immer Gang und Gebe. Neben der brillianten Sarah Sophia Meyer als Luftgeist Ariel und der, sowohl sprachlich als auch körperlich, „gewaltigen“ Julia Gräfner als Caliban, dem Inbegriff des Monsters, muss man natürlich besonders vor der Leistung der Hauptdarstellerin Barbara Petritsch, als Prospero, den Hut ziehen. Und zwar allein deswegen, weil sie sich riesigen Textumfang in dieser schwierigen Sprache nicht nur merkt, sondern ihn auch perfekt artikuliert darbietet.
Der 400. Todestag des großen Dichters wird jedenfalls gebührend gefeiert – Shakespeare wird sich bestimmt nicht im Grab umdrehen… Man sollte die Gelegenheiten, die sich den April über bieten, nutzen und dem Grazer Schauspielhaus einen Besuch abstatten!