Mittwoch, 2. August 2017


HANDBRAUEREI FORSTNER - ein („Noch“-)Geheimtipp im Süden von Graz

 

Parallel zum zweitgrößten Fluss Österreichs führt über 457 km der Murradweg. Das bedeutet, dass man theoretisch vom Nationalpark Hohe Tauern, der noch im Bundesland Salzburg liegt, bis nach Kroatien, wo die Mur in die Drau mündet, immer entlang des R2 fahren könnte. Es gibt auch mit hoher Wahrscheinlichkeit besonders gut trainierte Mitmenschen, die das  schon getan haben.

Hier geht es aber zum einen nur um den kleinen Abschnitt zwischen Graz und Kalsdorf und zum anderen vor allem um die in Kalsdorf befindliche Craftbierbrauerei Forstner. Ein ideales Ziel für einen netten kleinen Ausflug vom Hotel GOLLNER aus, wo man Ihnen auch gerne beim Ausborgen von Fahrrädern behilflich ist.

Der Begriff Craft Beer kommt ursprünglich aus den USA (woher auch sonst?!) und bedeutet einfach, dass das Bier handwerklich, unabhängig von großen Brauereikonzernen, regional hergestellt wird. Viele traditionsreiche Biere in Europa unterscheiden sich leider nicht mehr im Geschmack, sondern nur mehr beim Flaschenetikett. Welche Vielfalt bei Geschmack und Sorten möglich ist, können Interessierte bei einem Besuch der Handbrauerei Forstner herausfinden.

Der inzwischen leider verstorbene Gründer Gerhard Forstner beschloss im Jahr 2000, nachdem er das Einheitsbier satt hatte und einige Versuche am heimischen Küchenherd gut funktionierten, sich als Brauer selbstständig zu machen.  Gerhard war aber nicht nur als Brauer ein Pionier, sondern auch schon davor in vielen anderen Gebieten. So war er Optikermeister und stellte Schildplatt Brillen her. Als einer der ersten Biobauern, reiste er nach Japan um sich Sojareis anzusehen, um dann für sich und seine Familie Tofu und Gluten herzustellen. Das Wissen floss dann auch in die Landwirtschaft ein und der Bio-Bauernhof wuchs zu einem Vorzeigebetrieb heran.

Seine große Leidenschaft war jedoch das Bierbrauen und obwohl die Qualität stetig besser wurde, tätigte er selbst nach Jahren den Satz: “Bis heute habe ich geglaubt, dass ich Bierbrauen kann!”. Diesem Ausspruch im Jahr 2006 war ein Schlüsselerlebnis vorausgegangen, nämlich eine Belgienreise zusammen mit dem Bierexperten und

Standard-Kolummnisten Conrad Seidl. Nach diesem “Auslandssemester in Bierkunde” fingen zu Hause in Kalsdorf die Experimente an, die in weiterer Folge zu vielen national- und international renommierten Preisen führten. So wurde das Forstner-Bier mehrmals Staatsmeister der Kleinbrauereien, gewann 2012 die World Beer Challenge in Estoril und 2014 den Global Craft Beer Award.

Gottseidank konnte er sein ganzes Wissen noch zu Lebzeiten an seine Frau Elfriede weitergeben, die seit seinem Tod 2014 den Betrieb in seinem Sinne weiterführt.

Man sollte sich einfach durch das ganze Sortiment durchprobieren! Vielleicht mit dem

“alltagstauglichen” Blond Ale beginnen. Danach das etwas “exotischere” Chili Hot Beer oder das Lucky Ginger. Als Steirer muss man natürlich das Styrian Ale versuchen, bevor man nach einem Whisky-Rauchmalzbier namens Gammon, oder einem Indian Pale Ale amerikanischer Art namens Illuminatus, zu den Starkbieren, mit 9,5% voL und mehr, kommt. Zum krönenden Abschluss ein Brewsecco (ja, Sie lesen richtig!): Starkbier nach belgischer Art, händisch gefüllt, drei verschiedene Hopfensorten aus drei verschiedenen Kontinenten, Flaschengärung mit Champagnerhefe und Degorgierung nach originaler Champagnermethode.

Auch so kann man Bier genießen. Allerdings leider nur Donnerstags und Freitags, jeweils von 17 bis 23 Uhr. Gegen Voranmeldung gibt es aber auch Ab-Hof-Verkauf, Führungen und Verkostungen. Hopfen und Malz – Gott erhalt’s!”